70 Jahre – doch, da darf man schon mal feiern. Muss es sogar. Sich an die Erfolge in der Vergangenheit erinnern, alte Freundschaften auffrischen, gemeinsame Erlebnisse rekapitulieren. 70 Jahre – was für eine lange Zeit. 1949 hat die Hamburger Bürgerschaft dem Grundgesetz der neuen Bundesrepublik Deutschland zugestimmt. Und im gleichen Jahr haben am 29. September engagierte Fechter den Hamburger Fecht-Verband (HFV) gegründet. „Dieses Jubiläum wollten wir natürlich angemessen begehen“, sagt Margit Budde, die amtierende, elfte Präsidentin des HFV.

Freude über die neue Verbandshalle

Das haben sie. Und dabei eben nicht nur in die Vergangenheit geblickt sondern auch voller Optimismus in die Zukunft. Am 23. November konnte der HFV seine Jubiläumsfeierlichkeiten mit der Einweihung seiner neuen Verbandshalle verbinden, in der zwölf Fechtbahnen, modernste Turniermelder, Unterbodenleitungen und elektronische Wandmelder ein gebaut worden sind. Und optimale Trainingsbedingungen ermöglichen. Zum 70-jährigen Jubiläum hat die Stadt mit ihrem Sport-Unterstützungsprogramm „Active City“ sowie dem Sanierungsfond der Bürgerschaft dem Verband dieses Geschenk gemacht.

„Ich hoffe sehr, dass die neue, barrierefrei gebaute Verbandshalle und die guten Trainingsbedingungen die Fechtbegeisterung in Hamburg weiter steigern“, sagte Innen- und Sportsenator Andy Grote in seinem Grußwort.

Claudia Bokel, die Präsidentin des Deutschen Fechter-Bundes (DFB), ließ es sich nicht nehmen, persönlich den Hamburgern zu gratulieren: „Hier wird tolle Arbeit geleistet, die wir im DFB sehr wohl anerkennen.“

Etwa 100 Gäste waren zum Empfang in die neue Halle im Stadtteil Horn gekommen. Gleichzeitig fanden an diesem Wochenende die Hamburger Meisterschaften der Aktiven stat, die damit ihre neue Heimat gleich „in Besitz“ nahmen. Sie blätterten auch immer wieder durch die 70-seitige Festschrift, die dank der guten Zuarbeit aller Vereine zu einem tollen Dokument geworden ist und sehr gut ankam. Alt und jung mischten sich, Aktive und „Funktionäre“, Freunde und Familie. Alle hatten Spaß.

Dabei waren auch Hamburger „Fechtlegenden“ wie Tim Gerresheim, der dreimalige Olympiateilnehmer (1960, ´64, ´68) und Erfolgstrainer, der mit 81 Jahren immer noch junge Schauspieler in der Kunst des Fechtens unterrichtet und genau verfolgt, was in Hamburgs Fechtszene so abgeht. Auch Erika Bethmann (1972) und Rafael Nickel (Olympiasieger 1980 für Tauberbischofsheim) haben es aus Hamburg zu Olympia geschafft. Nicht so schlecht für einen kleinen Verband, dessen Mitgliederzahl sich immer so um die 600 bewegte. Derzeit sind 821 Mitglieder in den 14 Vereinen des HFV organisiert.

Besonders erfolgreich in den letzten Jahren waren Hamburgs Veteranen. Friederike Janshen von der TSG Bergedorf erfocht neben zahlreichen nationalen Meisterschaften sieben EM-Titel und fünf Weltmeisterschaften. An der letzten Veteranen-Weltmeisterschaft im Oktober in Kairo nahmen neben Janshen Petra Both, Margit Budde (AK 60), Gesche Reimers, Christine Zoppke (AK 50) und Dmitri Prudovski (AK 50) vom Eimsbütteler TV teil, Hamburg stellte damit das größte Team in der deutschen Delegation.

Erfolgreiche Nachwuchsarbeit im Verband

Es gibt aber auch eine durchaus erfolgreiche Nachwuchsarbeit. Knapp die Hälfte aller Fechter mit Turnierreifeprüfung sind Kinder und Jugendliche von der U11 bis U20. Unmittelbar vor den Jubiläumsfeierlichkeiten legten weitere 31 Kinder, Jugendliche (und einige Erwachsene) ihre Turnierreifeprüfung in der neuen Halle ab. Xenia Maul und Viktoria Ratz (bei TB Hamburg-Eilbeck) gehören Bundeskadern an. Gerade für eine erfolgreiche Jugendarbeit eröffnet die neue Verbandshalle neue Chancen, das hat auch Claudia Bokel bei ihrem Grußwort hervorgehoben: „Der HFV hat eine starke Nachwuchsarbeit, durch die Halle eröffnen sich nun neue Möglichkeiten.“

Der Blick ging eben nicht nur zurück bei den Gesprächen auf der Jubiläumsfeier.

Veteranen Team-Europameisterschaft 2020

Die immer quicklebendige und von Ideen sprudelnde Margit Budde und ihre Mitstreiter im HFV-Vorstand haben schon das nächste Fecht-Highlight eingetütet: 2022 rückt die Hansestadt wieder in den Fokus der Fechtwelt auch außerhalb Deutschlands. Bei der Veteranen-Team-Europameisterschaft vom 23. bis 25. Mai in der Sporthalle Hamburg werden rund 130 Teams vom ganzen Kontinent zu Gast sein. „Die Veteranen sind ein Aushängeschild des DFB“, sagt Claudia Bokel: „Ich möchte mich deshalb bei den Hamburger Fechtern für die Bereitschaft bedanken, diese Europameisterschaften auszurichten.“

Durch die Barrierefreiheit der neuen Sporthalle bieten sich auch für Hamburgs Fechter völlig neue Möglichkeiten: „Wir stehen in den Startlöchern, um auch Menschen mit Handicap zu ermöglichen, Rollstuhlfechten zu erlernen.“ Dank der Unterstützung der Alexander-Otto-Sportstiftung konnten bereits zwei Fecht-Rollstühle angeschafft werden. Zwei Hamburger Fechtmeister lassen sich als Trainer für diese paralympische Sportart ausbilden.

In einem typisch Hamburger Fischrestaurant gingen die Jubiläumsfeierlichkeiten am Abend für geladene Gäste zu Ende. Einige mussten allerdings diszipliniert bleiben. Am kommenden Vormittag trafen sich schließlich 20 Landespräsidenten sowie das DFB-Präsidium und der Sportdirektor das erste Mal überhaupt in Hamburg zu einer DFB-Hauptausschusssitzung.

Es tut sich also was im Norden. Mal sehen, was es beim nächsten Jubiläum so alles zu erzählen gibt.Andreas Hardt

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Fechten - Wie geht das?

 

Fechten ist eine bekannte olympische Sportart, rasant und elegant, präzise und schnell. Gefochten wird in den drei Waffen Florett, Degen und Säbel. Und Fechten ist viel einfacher, als man vielleicht denken mag. Neugierig? Die Broschüre "Rund ums Fechten" (Hrsg.: Württembergischer Fechterbund) gibt einen guten Überblick über das Sportfechten. Lust bekommen? In Hamburg gibt es zwölf Vereine, in denen gefochten werden kann.